Leseproben:


 
Michael:
............... Außerdem wurde mir mehrfach Professor Broelsch als Spitzen-Transplanteur, 
als Großmeister seines Faches, angepriesen. 
Ich ging hin. Mein erster Eindruck: Ein Superfachmann, freundlich, schnell, leicht ungeduldig. Gleichwohl faßte ich nur zögerlich das erforderliche, uneingeschränkte Vertrauen. Dies lag wohl an meinem Darm. Oder daran, daß ich meinte, ein ganz besonders toller, weil komplizierter Fall zu sein. Denn ich erklärte dem großen Chirurgen, bei mir gebe es nicht allein das Leber-, sondern zusätzlich noch ein ganz besonderes, wenn auch schlummerndes Darmproblem. Seine Antwort: „Im Zweifel rupfen wir den Darm auch noch raus“. Diesen Hinweis mußte ich erst einmal verdauen. Schließlich lebte ich schon seit meinem siebten Lebensjahr mit nur einer Niere; die zweite Niere war nach einem Schlittenunfall entfernt worden. Nun sollte meine Leber raus, vielleicht auch noch mein Darm. Ich kam mir damals schon ziemlich leer vor. ...............



 
Dirk:
............... Ich sollte das Victory-Zeichen machen oder den Daumen heben, wenn ich wach bin und mir meiner selbst wieder bewußt. Als ich dann zu mir kam, sah ich Sabine und meine Mutter am Bett. Um mich herum das Ambiente einer Intensivstation. Was ich sofort wahrnahm war, daß meine Beine bis zu den Knien taub waren. Meine ersten Gedanken gingen in die Richtung: da ist was schiefgelaufen. Eine geschäftige Krankenschwester beruhigte mich: das käme häufiger vor und das unangenehme Gefühl würde bald wieder weg gehen. Ich fühlte mich, als wäre ich von einem Bus überfahren worden. Zwischendurch dämmerte ich immer wieder weg. Ich fragte nach Michael, aber der war noch im Aufwachraum, aber nicht tot – das war schon mal was. Meine Mutter massierte mir die Füße und alle versuchten Zuversicht auszustrahlen . ........



 
Sabine:

10. April 2002
8.00 Uhr morgens. Freund Vlado ruft an; er ist hörbar berührt und gerührt als er hört, daß bis jetzt alles gut gegangen ist. Michael wird sich über den Anruf freuen.
10.00 Uhr.  Ich rufe auf Intensiv an: Michael gehe es gut, dürfe ihn erst heute nachmittag besuchen, aber mit ihm telefonieren: „Wo bist Du? Warum bist Du nicht hier?“ fragt Michael. Der gestrige Tag ist ihm wohl nicht bewußt. Ich fahre nach Essen und darf auf Michaels Wunsch Dirk im Sitzwagen zu Michael auf die Intensiv fahren - wohl ein Novum. Ich stehle mich über die Wiese am Hintereingang vor das Intensivfenster, will doch dieses erste Zusammentreffen bildlich festhalten. .............



 
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